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Zur Grabungsgeschichte


Die Grabungsgeschichte des Poblicius Grabmals begann bereits im Jahre 1885 als nach Niederlegung der mittelalterlichen Stadtmauer die neue Wohnbebauung am Chlodwigplatz errichtet wurde.

Bei den Gründungsarbeiten für die neu errichteten Wohnhäuser fanden sich ca. 16 große Reliefquader, die der Archäologe Joseph Klinkenberg zwei verschiedenen Grabbauten zuordnete, die in römischer Zeit an der Ausfallstraße der Colonia in Richtung Süden gestanden hatten.
Das Wissen über diese Quaderfunde ruhte in den Kölner- und Bonner- Museumsarchiven; ging aber ansonsten über Jahrzehnte verloren.

Im Kriegsjahr 1943 wuren zahlreiche der 1885 am Chlodwigplatz errichteten Wohnhäuser durch Bomben zerstört, darunter auch das Haus meiner Großeltern und Eltern am Chlodwigplatz 24.

Teile des Treppenhauses und der rückwärtige Anbau waren den Flammen entgangen und konnten nach dem Krieg noch zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Jahr 1951 war im Bereich des zerstörten Vorderhauses ebenerdig das Textilgeschäft "Heinrich Gens" neu errichtet worden.

1965 wurde dann der komplette Wiederaufbau des Hauses geplant. Die Vergrößerung der Bautiefe von 10 auf 13 Meter erforderte ein neues Fundament für die Hausrückseite. Der Architekt machte darauf aufmerksam, dass dieses Fundament tief unter den Kellerfußboden geführt werden musste. Ursache war die geologische und geschichtliche Bodensituation, da man 1885 das Haus in den gerade erst zugeschütteten Wallgraben vor der Stadtmauer gebaut hatte.


Bereits 1885 wurde, beginnend mit dem Haus Chlodwigplatz 28 – heute Früh im Veedel – die neue Wohnbebauung am Chlodwigplatz errichtet. Im Schüttungsgebiet des ersten Wallgrabens entstand das Haus Chlodwigplatz 24, welches in den Folgejahrzehnten immer wieder Risse zeigte, weil man viel  zu früh, auf das sich noch setzende Erdreich, gebaut hatte.

Die Fundamente des 1965 geplanten Neubaus mussten folglich unter das Schüttungsgebiet des 1884 verfüllten Wallgrabens auf festen gewachsenen Boden herunter geführt werden. Mein Bruder Heinz, von Beruf selbstständiger Kaufmann und ich damals Maschinenbau-Student boten dem Architekten an, die dafür erforderliche Sondierungsgrabung im Bereich des neuen Hausrückfundamentes in Eigenleistung durchzuführen.


Schon kurz nach Grabungsbeginn stießen wir auf einen mittelalterlichen Brunnen, der laut Stadtkonservator zur Vorbefestigung des Severinstores gehört hatte. Monate später und drei Meter unter Kellerbodenniveau kam in dem mittlerweile fertiggestellten Fundamentgraben ein grob behauener Steinquader zum Vorschein. Als auf der Unterseite ein Relief sichtbar wurde, legten wir den Quader frei und erkannten in der fast lebensgroßen, figürlichen Darstellung, den römischen Hirtengott Pan.


(Erster Fundquader mit dem Leib des Hirtengottes Pan Funddokumentation Gens Nr. 60 )










Mein Bruder Heinz und ich waren bei unseren Grabungen inzwischen nicht mehr alleine. Zu unserem Team gehörten jetzt auch neben Bernhard Sträßer, Architekturstudent an der RWTH Aachen, Toni Hermann, Destilateur und Günther Goldenberg, Lehramtsstudent an der Pädagogischen Hochschule Köln. Später kamen noch Wolfgang Hermann, ebenfalls Maschinenbau-Student und dessen Schwester Elisabeth Bongartz geb. Hermann, von Beruf Erzieherin hinzu.
  
Neben und unter dem ersten Quader waren beim Freilegen weitere römische Quader zum Vorschein gekommen. Ordnungsgemäß unterrichteten das Römisch–Germanische Museum über unsere Funde. Nachdem wir zwei weitere Quader mit deren Erlaubnis freigelegt hatten, erhielten wir ein Grabungsverbot. Nachdem eine offizielle Grabung, die wir der Stadt Köln angeboten hatten, über Monate nicht zustande kam, ergriffen wir und fünf Freunde die Initiative. Wir planten ohne Wissen unserer Eltern und ohne Wissen der Facharchäologen die Grabung in Eigenregie durchzuführen. Die abenteuerliche Grabungsgeschichte können Sie in meinem Buch "Grabungsfieber" nachlesen.

Nach über zwei Jahren Vorbereitung und Grabung hatten wir über 70 tonnenschwere Reliefquader eines römischen Grabmals geborgen, darunter vier Quader der Grabmalsinschrift, die darüber Auskunft gaben, dass dieses Grabmal für den Veteranen Lucius Poblicius errichtet worden war. Schon während der Grabung war die Zusammengehörigkeit vieler Quader erkennbar geworden. So konnte nicht nur die Inschrift zusammengefügt und rekonstruiert werden, sondern auch zahlreiche Reliefdarstellungen wie Waffen- und Rankenfriese, Kapitelle, eine Mänade und zwei Darstellungen des römischen Hirtengottes Pan.

Kurz nach Eröffnung der Ausstellung „Römer am Rhein“ im Mai 1967 gingen wir mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit. Die Presse berichtete nicht nur lokal, sondern auch überregional und international in über 280 Artikeln über unseren Fund (mehr dazu: Presse)

Facharchäologen aus aller Welt und über 15000 Besucher besichtigten die Funde in unserem Privatmuseum am Chlodwigplatz.

Große Beachtung fand aber nicht nur das von uns in den Kellerräumen errichtete Privatmuseum, sondern auch die von uns erstellte zeichnerische Rekonstruktion des Grabmals und die archäologisch fachgerechte Funddokumentation. Das von uns während der Grabung unter dem Haus errichtete Bergwerk reichte bis in eine Tiefe von neun Metern unter Straßenniveau. Vom Bauaufsichtsamt als statisch sicher freigegeben, konnte es nach Ende der Grabungstätigkeiten besichtigt werden. Von einem Grabungsverbot war keine Rede mehr.



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