Zur Grabungsgeschichte - Das Grabmal des Römers Lucius Poblicius

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Zur Grabungsgeschichte


Das Haus Chlodwigplatz 24 war im Jahr 1943 durch eine Brandbombe zerstört
worden. Teile des Treppenhauses und der rückwärtige Anbau waren den Flammen entgangen und konnten nach dem Krieg noch zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Jahr 1951 war im Bereich des zerstörten Vorderhauses ebenerdig das Textilgeschäft "Heinrich Gens" neu errichtet worden. 1965 wurde dann der komplette Wiederaufbau des Hauses geplant. Die Vergrößerung der Bautiefe von 10 auf 13 Meter erforderte ein neues Fundament für die Hausrückseite. Der Architekt machte darauf aufmerksam, dass dieses Fundament tief unter den Kellerfußboden geführt werden musste. Ursache war die geologische und geschichtliche Bodensituation. Im Jahr 1884 war am Chlodwigplatz die mittelalterliche Stadtmauer bis auf das Severinstor abgerissen und die beiden davor liegenden Wallgräben mit dem Schutt der Mauer zugeschüttet worden.






Bereits 1885 wurde, beginnend mit dem Haus Chlodwigplatz 28 – heute Früh im Veedel – die neue Wohnbebauung am Chlodwigplatz errichtet. Im Schüttungsgebiet des ersten Wallgrabens entstand das Haus Chlodwigplatz 24, welches in den Folgejahrzehnten immer wieder Risse zeigte, weil man viel  zu früh, auf das sich noch setzende Erdreich, gebaut hatte.



Die Fundamente des 1965 geplanten Neubaus mussten folglich unter das Schüttungsgebiet des 1884 verfüllten Wallgrabens auf festen gewachsenen Boden herunter geführt werden. Mein Bruder Heinz, von Beruf selbstständiger Kaufmann und ich damals Maschinenbau-Student boten dem Architekten an, die dafür erforderliche Sondierungsgrabung im Bereich des neuen Hausrückfundamentes in Eigenleistung durchzuführen.
Schon kurz nach Grabungsbeginn stießen wir auf einen mittelalterlichen Brunnen, der laut Stadtkonservator zur Vorbefestigung des Severinstores gehört hatte. Monate später und drei Meter unter Kellerbodenniveau kam in dem mittlerweile fertiggestellten Fundamentgraben ein grob behauener Steinquader zum Vorschein. Als auf der Unterseite ein Relief sichtbar wurde, legten wir den Quader frei und erkannten in der fast lebensgroßen, figürlichen Darstellung, den römischen Hirtengott Pan.

( Erster Fundquader mit dem Leib des Hirtengottes Pan Funddokumentation Gens Nr. 60 )



Mein Bruder Heinz und ich waren bei unseren Grabungen inzwischen nicht mehr alleine. Zu unserem Team gehörten jetzt auch neben Bernhard Sträßer, Architekturstudent an der RWTH Aachen, Toni Hermann, Destilateur und Günther Goldenberg, Lehramtsstudent an der Pädagogischen Hochschule Köln. Später kamen noch Wolfgang Hermann, ebenfalls Maschinenbau-Student und dessen Schwester Elisabeth Bongartz geb. Hermann, von Beruf Erzieherin hinzu.
  
Neben und unter dem ersten Quader waren beim Freilegen weitere römische Quader zum Vorschein gekommen. Ordnungsgemäß unterrichteten das Römisch–Germanische Museum über unsere Funde. Nachdem wir zwei weitere Quader mit deren Erlaubnis freigelegt hatten, erhielten wir ein Grabungsverbot. Nachdem eine offizielle Grabung, die wir der Stadt Köln angeboten hatten, über Monate nicht zustande kam, ergriffen wir und fünf Freunde die Initiative. Wir planten ohne Wissen unserer Eltern und ohne Wissen der Facharchäologen die Grabung in Eigenregie durchzuführen. Die abenteuerliche Grabungsgeschichte können Sie in meinem
Buch "Grabungsfieber" nachlesen.

Nach über zwei Jahren Vorbereitung und Grabung hatten wir über 70 tonnenschwere Reliefquader eines römischen Grabmals geborgen, darunter vier Quader der Grabmalsinschrift, die darüber Auskunft gaben, dass dieses Grabmal für den Veteranen Lucius Poblicius errichtet worden war. Schon während der Grabung war die Zusammengehörigkeit vieler Quader erkennbar geworden. So konnte nicht nur die Inschrift zusammengefügt und rekonstruiert werden, sondern auch zahlreiche Reliefdarstellungen wie Waffen- und Rankenfriese, Kapitelle, eine Mänade und zwei Darstellungen des römischen Hirtengottes Pan.

Kurz nach Eröffnung der Ausstellung „Römer am Rhein“ im Mai 1967 gingen wir mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit.
Die Presse berichtete nicht nur lokal, sondern auch überregional und international in über 280 Artikeln über unseren Fund ( mehr dazu: Presse )
Facharchäologen aus aller Welt und über 15000 Besucher besichtigten die Funde in unserem Privatmuseum am Chlodwigplatz.

Große Beachtung fand aber nicht nur das von uns in den Kellerräumen errichtete Privatmuseum, sondern auch die
von uns erstellte zeichnerische Rekonstruktion des Grabmals und die archäologisch fachgerechte Funddoku-
mentation. Das von uns während der Grabung unter dem Haus errichtete Bergwerk reichte bis in eine Tiefe von
neun Metern unter Straßenniveau. Vom Bauaufsichtsamt als statisch sicher freigegeben, konnte es nach Ende der Grabungstätigkeiten besichtigt werden. Von einem Grabungsverbot war keine Rede mehr.

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