Zur Funddokumentation - Das Grabmal des Römers Lucius Poblicius

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Zur Funddokumentation

Bei der Erstellung der Funddokumentation unmittelbar nach der Grabung 1967 haben wir als Team lange diskutiert, ob wir sie nach der „Fundreihenfolge“ oder systematisch nach „Quadertypus“ ordnen sollten.

Da wir überwiegend aufgrund unseres Studiums technisch orientiert waren, entschieden wir uns für die Systematik, also für die gebündelte Auflistung und Erfassung von Quadern gleichen Muster- oder Bauteiltypus.

Angefangen mit Architraven, über Inschriftquader, Gebälkplatten, Pilaster und Pan-Darstellungen bis zu den Statuen wurden alle Quader dokumentiert und dies ermöglichte Quervergleiche hinsichtlich Abmessungen und Unterschieden der Reliefmuster.

So konnten wir Erkenntnisse über die Zusammengehörigkeit von Quadern gewinnen, etwa durch die Erfassung und Vergleich der auf den Oberseiten vorhandenen Versatzmarken und Schwalbenschwanzverbindungen.

Die Detailbetrachtung der Muster offenbarte gravierende Ausführungs- und Qualitätsunterschiede bei gleichem Mustertypus. Dies war bei den Gebälkplatten aufgefallen, es wurden aber auch gravierende Unterschiede bei Waffen- und Ranken-Architraven, bei Kapitellen und selbst bei den Pandarstellungen erkennbar.
Es fiel auf, dass an einigen Eckquadern und deren Seiten nicht nur eine unterschiedliche Qualität der Bearbeitung, sondern zusätzlich ein Wechsel der Muster-Ausführung vorhanden war.

Die Gebälkplatte Fund-Dokumentation Nr. 15 ist hierfür ein Beispiel.




Sie zeigt nicht nur einen wesentlichen Qualitätsunterschied in der Darstellung der Blumenmuster zwischen den Gebälkenden, sondern auch einen Musterwechsel der Zierleiste.

Die Sima ist an der längeren Seite der Gebälkplatte mit einem Blattstab mit 6 fach gefiederten Blättern ausgeführt, während auf der kürzeren Seite der Gebälkplatte nur ein Blattstab mit doppelten, aber ungeteilten Blättern vorhanden ist. Es finden sich aber auch Gebälkplatten mit einem Blattstab, der nur einzelne, ungeteilte Blätter zeigt.

Bei den Gebälkplatten sind also im Vergleich drei verschiedene Musterausführungen zu erkennen, die nahelegen, dass aufwändige Muster der Grabmalfront, weniger aufwändige Muster den Seiten des Grabmals und eher einfache Muster der Rückseite des Grabmals zuzuordnen sind.

Auch bei den Architraven sind Qualitätsunterschiede und unterschiedliche Musterausführungen erkennbar, die eine Zuordnung zu Frontseite, Rückseite oder Seiten des Grabmals wahrscheinlich machen.





Die Gegenüberstellung der Quader 7 und 8 macht die Zuordnung zu unterschiedlichen Seiten des Grabmals deutlich. Quader 7 zeigt einen Architrav dessen Rankenfries tiefplastisch und in jedem Detail erkennbar ausgearbeitet ist und der damit eindeutig der Grabmalfront zugeordnet werden kann.




Quader 8 dagegen ist im Vergleich bezogen auf die Blattausführung der Akanthusranke und die fehlende Plastizität eher oberflächig und unpräzise gearbeitet. Zudem weist die Trennleiste zwischen Fries und Architravbalken eine zusätzliche Kehlleiste auf. Dieser Musterwechsel und die mindere Qualität des Frieses spricht für eine Verwendung des Quaders an den Grabmalseiten oder auf der Rückseite des Grabmals.

Nicht auszuschließen ist darüber hinaus, dass der Quader aufgrund der zusätzlichen Kehlleiste zwischen Fries und Architravbalken eventuell zu einem anderen Grabmal gehört.

Unsere Funddokumentation übergaben wir Ende Juli 1967 mit insgesamt 58 Quadern an das Römisch-Germanische Museum. Der Erhalt wurde von Professor Dr. Otto Doppelfeld mit Schreiben vom 01.08.1967 bestätigt.





Dr. Gundolf Precht verwendete die Funddokumentation Gens von 1967 (Nummern 1 bis 58) für die Nummerierung seiner Rekonstruktion im Jahr 1975. Ein Quellennachweis erfolgte nicht.

Die nachfolgende Darstellung zeigt die Verwendung der Funddokumentation Gens bei der Rekonstruktion durch Gundolf Precht am Beispiel von drei Inschrift Quadern.






(siehe auch G. Precht "Das Grabmal des L. Poblicius 1975)

Im Jahr 1968 wurde die Funddokumentation Gens von uns um weitere 12 Quader ( auf insgesamt 70  Quader ) ergänzt.

Auf dieser Webseite sind alle 70 Fundquader in der Reihenfolge der Funddokumentation abgebildet und werden bei Anklicken des jeweiligen Fotos mit dem Ursprungstext der Funddokumentation unterlegt.

Im Jahr 2009 wurde eine Kopie der Funddokumentation Gens an das Archäologische Institut der Universität Köln übergeben. Fotos und Detailinformationen zu allen 70 Fundquadern sind seitdem innerhalb der Arachne Datei zu finden.

Im Jahr 2013 wurde die Funddokumentation Gens - 46 Jahre nach ihrer Entstehung - in meinem Buch „Grabungsfieber" offiziell publiziert.


Für weitere Informationen bitte auf das Bild klicken

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