Zur Forschungsgeschichte - Das Grabmal des Römers Lucius Poblicius

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Zur Forschungsgeschichte

Forschungen 1965 bis 1971


Schon während der Ausgrabung begann die Forschungsgeschichte zum Poblicius Grabmal mit der Erstellung der Funddokumentation, der Rekonstruktion von einzelnen Reliefdarstellungen und dem ersten Rekonstrukionsversuch für das gesamte Grabmal.


Die exakte Vermessung der 70 Fundquader, die photographische und zeichnerische Erfassung aller Reliefdetails, die Beschreibung von Quadertypus, Qualität der Ausarbeitung, Farbresten und eindeutig zuzuordnenden Anschlussquadern war für uns Ausgräber der Schlüssel für die Vervollständigung einzelner Reliefdarstellungen und ermöglichte mir einen ersten, wenn auch noch mit vielen Fragezeichen versehenen, Rekonstruktionsversuch.



Im Schaufenster des Verkehrsamtes entdeckte ich im März 1968 eine kleine Statue aus den Depotbeständen des Römisch-Germanischen Museums, die schon 1884 am Chlodwigplatz gefunden worden war und die eine verblüffende Ähnlichkeit in der Gewandfaltung mit einer von uns gefundenen Statue aufwies. Als ich am nächsten Tag im Verkehrsamt ein von uns gefundenes Köpfchen auf diese Statue aufsetzte, schloss sich die Bruchstelle am Hals millimetergenau.


(siehe Zeitungsartikel des Kölner Stadtanzeiger vom 21 März von 1968)


Damit war der Beweis geführt, dass bereits im Jahr 1884 Quader des Poblicius Grabmals am Chlodwigplatz gefunden wurden. Als ich den Leiter des Römisch-Germanischen Museums, Professor Dr. Otto Doppelfeld darauf ansprach, verwies er auf zwei weitere 1884 gefundene Quader, die in der Ausstellung „Römer am Rhein" neben den von uns als Leihgabe zur Verfügung gestellten Quadern ausgestellt waren.

Bei den anschließenden Recherchen stieß ich in der Fachliteratur auf weitere Quader des Poblicius Grabmals, die 1884 in das Bonner Landesmuseum gelangt waren.
Am 16.07.1968 bestätigte mir das Landesmuseum Bonn die Zugehörigkeit von insgesamt 14 weiteren Quadern zum Poblicius Grabmal, die zwischen 1884 und 1886 aus Köln angekauft, in den Besitz des damaligen Bonner Provinzial Museums gelangt waren.


Wie wir herausfanden war Professor Dr. Heinz Kähler, Ordinarius für Altertumsforschung und Leiter des Archäologischen Institutes der Universität Köln bereits 1938 in der Literatur auf einige 1884 am Chlodwigplatz gefundene Quader gestoßen und hatte damit eine Rekonstruktion des damals noch unbekannten Grabmals erstellt.
Dabei hatte er sich am Typus der Pfeilergrabmäler orientiert. Auf dieser Grundlage und dem inzwischen vergrößerten Quaderfundus ( 70 Quader Funddokumentation Gens 1965 - 1967 und insgesamt 19 wiederentdeckte Fundquader  1884 - 1886 ) erstellte ich im August 1968 meinen zweiten Rekonstruktionsversuch.



Im  Jahr 1969 ergaben sich für mich neue Erkenntnisse im Hinblick auf den Aufbau des Grabmals, die ich in einem weiteren Rekonstruktionsversuch dokumentierte.
Professor Kähler veröffentlichte 1970 in der Zeitschrift „Antike Welt“ einen Fachbeitrag über das Poblicius Grabmal und stellte darin seinen zweiten Rekonstruktionsversuch vor. 1971 legte ich dann meinen vierten Rekonstruk-tionsversuch vor, der mit Schnittdarstellungen durch jede Steinlage eine exakte Zuordnung der bis dahin gefundenen Quader ermöglichte.

Ende 1970 wurden unsere 70 Fundquader von der Stadt Köln für den Neubau des Römisch-Germanischen Museums angekauft, um dort mit den 19 gefundenen Quadern von 1884 bis 1886, sowie weiteren Quadern aus dem Museumsfundus das Grabmal als dreidimensionales Bauwerk neu zu errichten. Professor Kähler´s Rekonstruktion setzte dabei Maßstäbe.



Die Rekonstruktion von Professor Dr. Heinz  Kähler, Antike Welt, (4) 1970




Da Professor Kählers Rekonstruktion schon bei der Umplanung des Museums als unumstößliche Prämisse zugrunde gelegt worden war, waren dem jungen Archäologen Dr. Gundolf Precht, der mit dem Wiederaufbau des Poblicius Grabmals im neuen Römisch-Germanischen Museum betraut wurde, für Aufbau und Gliederung des Bauwerkes extrem enge Grenzen gesetzt.

Als das neue Römisch-Germanische-Museum dann 1974 eröffnet wurde, war das Poblicius Grabmal, nahezu 15 Meter hoch, neben dem Dionysos-Mosaik einer der Hauptanziehungspunkte.











Schon bald nach Eröffnung des Museums gab es bezogen auf die Rekonstruktion des Poblicius Grabmals durch Dr. Precht erste kritische Stellungnahmen aus dem Kreis seiner Fachkollegen. Diese bezogen sich nicht auf die generelle Richtigkeit der Rekonstruktion, denn der von Professor Kähler vorgegebene Aufbau des Grabmals war unstrittig. In Frage gestellt wurden jedoch Quaderzuordnungen, die Dr. Precht während der Wiederaufbauphase vorgenommen hatte, so zum Beispiel die Aeneasgruppe auf der Grabmalsspitze, die zeitlich 200 Jahre später zu datieren war; ein in der Rekonstruktion verbauter Architrav,  dessen Fundort Arnoldshöhe und nicht Chlodwigplatz war und weitere Quader, bei denen eine Zugehörigkeit zum Poblicius Grabmal in Zweifel gezogen wurde.














Forschungen 2006 bis 2013

Mit meiner Pensionieung im Jahr 2006, nach über 40 Jahren Berufstätigkeit mit streng technischer Orientierung, meine Forschungstätigkeiten zum Poblicius Grabmal wieder auf.
Bei allen Rekonstruktionsversuchen (vier Versuche Gens, zwei Versuche von Professor Kähler, sowie je ein Versuch von Dr. Precht und von Dr. Adrikopoulu- Strack) blieb  die Vergitterung der Säulenhalle des Obergeschosses (Aedikula ) weitesgehend unberücksichtigt.

Gegenüber allen Anderen hatte ich jedoch bei meinen letzten Rekonstruktionsversuchen der Vergitterung des Obergeschosses durch eine andere Platzierung der Statuen zumindest teilweise Rechnung getragen. Ich platzierte die Statuen nicht ebenerdig zwischen den Säulen, sondern auf Sockeln, an der Rückwand der Aedikula, womit sie hinter einer Vergitterung noch sichtbar geblieben wären.






Natürlich ergab sich mit der auch von allen Facharchäologen erwähnten, aber nicht berücksichtigten Vergitterung, die Frage nach der einstigen Höhe des Grabmalssockels, da eine Vergitterung als Schutz oder Zugangssperre in 6 - 7 Metern Höhe wenig sinnvoll erscheint. Details meiner diesbezüglichen Forschungsarbeiten sind in meinem Buch "Grabungsfieber" und auf dieser Webseite unter der Rubrik "Zum Aufbau" unter der Überschrift "Rekonstruktion 2009" nachzulesen.














Forschungen 2014 bis 2017


Die neusten Forschungen, die ich seit September 2014 gemeinsam mit dem Philologen Dr. Hermann Krüssel durchgeführt habe, sind in den Rubriken dieser Webseite nur ansatzweise aufgeführt. Im Detail sind die neusten Forschungen in unserem Buch: " Das Poblicius - Denkmal Köln in augusteischer Zeit " nachzulesen.


Das hier angefügte Inhaltsverzeichnis des Kapitel II dieses Buches vermittelt einen Eindruck über den Umfang dieser Forschungen:


II. Die neuen Forschungsergebnisse zum Poblicius-Denkmal

1. Zur Inschrift 39
1.1 Die Grabkultur im alten Kampanien 39
1.2 Grabinschriften 41
1.3 Rekonstruktion der Poblicius-Inschrift   44
1.4 Die Verfügung zum Grabmal 51
1.4.1 Verfügungen zum Grabmal in der Antike 51
1.4.2  Bestimmungen in der Inschrift des Poblicius-Denkmals  52

2. Lucius Poblicius (die Statue)  53
2.1 Rekonstruierung der Poblicius-Statue 54
2.2 Die Toga praetexta 58
2.3 Der Calceus equester 63
2.4 Ein Scrinium 64
2.5 Fingerringe 66
2.6 Eine Mappa 68

2.   Lucius Poblicius (der Soldat)

2.7 Der Veteran 70
2.8 Die fünfte Legion der Alauden 74
2.9 Noch eine fünfte Legion 77
2.9.1 Fünfte Legionen ohne den Beinamen Alauda 77
2.9.2 Das Ende der legio V Alaudae 80
2.9.3 Weitere Inschriften von Veteranen der legio V Alaudae 81
2.10 Der Kantabrisch-Asturische Krieg 85
2.11 Emerita Augusta – eine Veteranenansiedlung 93

Lucius Poblicius (Herkunft, Selbstdarstellung)

2.12 Die römische Tribus, zu der Lucius Poblicius gehörte. 96
2.13 Römisches Bürgerrecht und römische Namensgebung 100

Lucius Poblicius (die Familie)

2.14 Lucius Poblicius als Mitglied der römischengens Poblicia: Typische familiäre Gemeinsamkeiten und persönliche Eigenschaften gemäß seiner Selbstdarstellung auf dem Kölner Denkmal 103
2.14.1 Zur Geschichte der gens Poblicia von der republikanischen Zeit (3.-1. Jhd. v. Chr.) bis zur Kaiserzeit 103
2.14.2 Ältere Angehörige der gens Poblicia als mögliche Vorbilder für Lucius Poblicius und sein Monument in Köln 104
2.14.2.1 Die vier Poblicii mit dem gemeinsamen cognomen Malleolus 104
2.14.2.2 Gaius Poblicius Bibulus 108
2.14.3 Auswirkungen auf die Interpretation des Poblicius-Denkmals: Traditionelle Elemente und individuelle Merkmale der Selbstdarstellung des Lucius Poblicius 111
2.14.4  Einführung der Floralia durch einen Vorfahren des Lucius Poblicius 113
2.15 Die Herkulanerinnen – Idealbild römischer Frauen 115
2.16 Was unterscheidet die Kleine von der Großen Herkulanerin? 118
2.17 Die große Frauenstatue vom Chlodwigplatz 120
2.17.1 Typus und dargestellte Person 120
2.17.2 Wen stellt der lebensgroße weibliche Torso dar? 122
2.18 Die kleine Frauenstatue vom Chlodwigplatz 124
2.18.1 Typus und dargestellte Person 124
2.18.2 Wen stellt die kleine weibliche Statue dar? 126
2.19 Die Lebenden 128
2.20 Lucius Poblicius Modestus 129
2.21 Das Grab der reichen Frau 134

3. Zu den Reliefs

3.1 Die personenbezogenen Reliefs 136
3.1.1. Die Waffenfriese 136
3.1.1.1. Entdeckungen auf dem Poblicius-Denkmal 136
3.1.1.2 Der Ursprung der Gladiatorenspiele 141
3.1.1.3 Gladiatorengattungen 142
3.1.1.4 Lucius Poblicius‘ Verbindung zu den Gladiatorenspielen 147
3.1.2 Beliebtheit durch Ausrichtung von Spielen 147
3.2 Die mythologischen Reliefs 149
3.2.1 Zum Dionysoskult allgemein 149
3.2.2 Der griechische Dionysoskult 149                  
3.2.2.1 Dionysos in der griechischen Literatur:  Euripides’ Bakchai 154
3.2.3 Der römische Dionysoskult 155
3.2.3.1 Dionysos in der römischen Literatur: Catull, Vergil, Horaz,Ovid
3.2.4 Mysterienkulte 161
3.3 Dionysos oder Apollo 163
3.3.1 Augustus als Schützling des Apollo 163        
3.3.2 Marcus Antonius als Zweiter Dionysos 163
3.3.3 Lucius Poblicius  – sozialisiert durch den Dionysoskult 165
3.4. Dionysos und Poblicius 167
3.4.1 Dionysische Spuren am Poblicius-Denkmal 167
3.4.2 Gründe für die Präsentation des Dionysos-kultes 171
3.5. Die Tritonen 173
3.6 Pflanzen auf den Reliefs und ihre Symbolik 174

4. Zum Aufbau des Grabmals 176
4.1 Die Quadersuche 176
4.2 Die Höhe des Grabmals 177
4.3 Die Aedikula 180
4.4 Die römischen Steinbrüche – Begehrter Kalkstein aus Lothringen 181

5. Zum Fundort und Standort 182
5.1 Vier Thesen zum Einsturz 183
5.2 Zwei Grabmäler 186

6. Zur Datierung 187
6.1 Datierungskriterien anhand der Statuen 188
6.1.1 Datierung über den Faltenreichtum der Gewänder 188
6.1.2 Datierung über die Drapierung  der Gewänder – Sinus und Umbo 189
6.1.3 Datierung über die Haartracht der Statuen 194
6.2 Datierungskriterien anhand der Inschrift – das Cognomen 195
6.3 Datierungskriterien anhand der Bau-Ornamentik 197
6.4 Datierungskriterien anhand vergleichbarer Grabbauten 199
6.5 Zusammenfassung Datierung 202
6.6 Datierung über die Radiokarbonmethode C14 203
6.7 Die Lebenszeitachse des Lucius Poblicius 210
    
7. Ein Grabmal für die Ewigkeit 213
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