Zur Forschungsgeschichte - Das Grabmal des Römers Lucius Poblicius

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Zur Forschungsgeschichte


Schon während der Ausgrabung begann die Forschungsgeschichte zum Poblicius Grabmal mit der Erstellung der Funddokumentation, der Rekonstruktion von einzelnen Reliefdarstellungen und dem ersten Rekonstrukionsversuch für das gesamte Grabmal.
Die exakte Vermessung der 70 Fundquader, die photographische und zeichnerische Erfassung aller Reliefdetails, die Beschreibung von Quadertypus, Qualität der Ausarbeitung, Farbresten und eindeutig zuzuordnenden Anschlussquadern war für uns Ausgräber der Schlüssel für die Vervollständigung einzelner Reliefdarstellungen und ermöglichte mir einen ersten, wenn auch noch mit vielen Fragezeichen versehenen, Rekonstruktionsversuch.

Im Schaufenster des Verkehrsamtes entdeckte ich im März 1968 eine kleine Statue aus den Depotbeständen des Römisch-Germanischen Museums, die schon 1884 am Chlodwigplatz gefunden worden war und die eine verblüffende Ähnlichkeit in der Gewandfaltung mit einer von uns gefundenen Statue aufwies. Als ich am nächsten Tag im Verkehrsamt ein von uns gefundenes Köpfchen auf diese Statue aufsetzte, schloss sich die Bruchstelle am Hals millimetergenau.

Damit war der Beweis geführt, dass bereits im Jahr 1884 Quader des Poblicius Grabmals am Chlodwigplatz gefunden wurden. Als ich den Leiter des Römisch-Germanischen Museums, Professor Dr. Otto Doppelfeld darauf ansprach, verwies er auf zwei weitere 1884 gefundene Quader, die in der Ausstellung „Römer am Rhein" neben den von uns als Leihgabe zur Verfügung gestellten Quadern ausgestellt waren.

Bei den anschließenden Recherchen stieß ich in der Fachliteratur auf weitere Quader des Poblicius Grabmals, die 1884 in das Bonner Landesmuseum gelangt waren.
Am 16.07.1968 bestätigte mir das Landesmuseum Bonn die Zugehörigkeit von insgesamt 14 weiteren Quadern zum Poblicius Grabmal, die zwischen 1884 und 1886 aus Köln angekauft, in den Besitz des damaligen Bonner Provinzial Museums gelangt waren.


Wie wir herausfanden war Professor Dr. Heinz Kähler, Ordinarius für Altertumsforschung und Leiter des Archäologischen Institutes der Universität Köln bereits 1938 in der Literatur auf einige 1884 am Chlodwigplatz gefundene Quader gestoßen und hatte damit eine Rekonstruktion des damals noch unbekannten Grabmals erstellt.
Dabei hatte er sich am Typus der Pfeilergrabmäler orientiert. Auf dieser Grundlage und dem inzwischen vergrößerten Quaderfundus ( 70 Quader Funddokumentation Gens 1965 - 1967 und insgesamt 19 wiederentdeckte Fundquader  1884 - 1886 ) erstellte ich im August 1968 meinen zweiten Rekonstruktionsversuch.


Im  Jahr 1969 ergaben sich für mich neue Erkenntnisse im Hinblick auf den Aufbau des Grabmals, die ich in einem weiteren Rekonstruktionsversuch dokumentierte.
Professor Kähler veröffentlichte 1970 in der Zeitschrift „Antike Welt“ einen Fachbeitrag über das Poblicius Grabmal und stellte darin seinen zweiten Rekonstruktionsversuch vor. 1971 legte ich dann meinen vierten Rekonstruk-tionsversuch vor, der mit Schnittdarstellungen durch jede Steinlage eine exakte Zuordnung der bis dahin gefundenen Quader ermöglichte.

Ende 1970 wurden unsere 70 Fundquader von der Stadt Köln für den Neubau des Römisch-Germanischen Museums angekauft, um dort mit den 19 gefundenen Quadern von 1884 bis 1886, sowie weiteren Quadern aus dem Museumsfundus das Grabmal als dreidimensionales Bauwerk neu zu errichten. Professor Kähler´s Rekonstruktion setzte dabei Maßstäbe.


Die Rekonstruktion von Professor Dr. Heinz  Kähler, Antike Welt, (4) 1970




Da Professor Kählers Rekonstruktion schon bei der Umplanung des Museums als unumstößliche Prämisse zugrunde gelegt worden war, waren dem jungen Archäologen Dr. Gundolf Precht, der mit dem Wiederaufbau des Poblicius Grabmals im neuen Römisch-Germanischen Museum betraut wurde, für Aufbau und Gliederung des Bauwerkes extrem enge Grenzen gesetzt.

Als das neue Römisch-Germanische-Museum dann 1974 eröffnet wurde, war das Poblicius Grabmal, nahezu 15 Meter hoch, neben dem Dionysos-Mosaik einer der Hauptanziehungspunkte.











Schon bald nach Eröffnung des Museums gab es bezogen auf die Rekonstruktion des Poblicius Grabmals durch Dr. Precht erste kritische Stellungnahmen aus dem Kreis seiner Fachkollegen. Diese bezogen sich nicht auf die generelle Richtigkeit der Rekonstruktion, denn der von Professor Kähler vorgegebene Aufbau des Grabmals war unstrittig. In Frage gestellt wurden jedoch Quaderzuordnungen, die Dr. Precht während der Wiederaufbauphase vorgenommen hatte, so zum Beispiel die Aeneasgruppe auf der Grabmalsspitze, die zeitlich 200 Jahre später zu datieren war; ein in der Rekonstruktion verbauter Architrav,  dessen Fundort Arnoldshöhe und nicht Chlodwigplatz war und weitere Quader, bei denen eine Zugehörigkeit zum Poblicius Grabmal in Zweifel gezogen wurde.

Mit meiner Pensionieung Ende 2005 nahm ich, nach über 40 Jahren Berufs- tätigkeit mit streng technischer Orientierung, meine Forschungstätigkeiten zum Poblicius Grabmal wieder auf.
Bei allen Rekonstruktionsversuchen (vier Versuche Gens, zwei Versuche von Professor Kähler, sowie je ein Versuch von Dr. Precht und von Dr. Adrikopoulu- Strack) blieb  die Vergitterung der Säulenhalle des Obergeschosses ( Aedikula ) weitesgehend unberücksichtigt.


Gegenüber allen Anderen hatte ich jedoch bei meinen letzten Rekonstruktionsversuchen der Vergitterung des Obergeschosses durch eine andere Platzierung der Statuen zumindest teilweise Rechnung getragen. Ich platzierte die Statuen nicht ebenerdig zwischen den Säulen, sondern auf Sockeln, an der Rückwand der Aedikula, womit sie hinter einer Vergitterung noch sichtbar geblieben wären.





Natürlich ergab sich mit der auch von allen Facharchäologen erwähnten, aber nicht berücksichtigten Vergitterung, die Frage nach der einstigen Höhe des Grabmalssockels, da eine Vergitterung als Schutz oder Zugangssperre in 6 - 7 Metern Höhe wenig sinnvoll erscheint. Details meiner diesbezüglichen Forschungsarbeiten sind in meinem Buch "Grabungsfieber" und auf dieser Webseite unter der Rubrik "Zum Aufbau" unter der Überschrift "Rekonstruktion 2009" nachzulesen.


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