Zur Datierung - Das Grabmal des Römers Lucius Poblicius

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Zur Datierung

Die Entstehungszeit des Poblicius Grabmals wurde bisher anhand von Inschrift, der vermeintlichen Poblicius Statue und Relief - Charakteristika auf das Ende der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr., auf die Claudische Zeit (Kaiser Claudius 41 bis 54 nach Christus) festgelegt. (2)


Die Inschrift weist Lucius Poblicius als Veteran der fünften Legion aus. Diese Legion nannte sich, wegen rot eingefärbter Lerchenflügel, die die Legionäre an ihren Helmen trugen auch „Lerchenlegion“. Seit der Auffindung des Poblicius-Grabmals weiß man, dass diese Lerchenflügel nicht nur die Helme der Legionäre zierten, sondern auch deren Langschilde.

Architrav mit Waffenfries; auf einem Langschild ist eine Vogelschwinge zu sehen (Funddokumentation Gens Nr.1 und 3)





Einen weiterern Hinweis zur Datierung des Grabmals glaubte man in der vierten Inschriftzeile zu finden. Der dort aufgeführte "Lucius Poblicius Modestus“ trägt im Gegensatz zu "Lucius Poblicius„ einen Beinamen (ein Cognomen). Da diese Cognomina erst in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts gebräuchlich wurden, hat man daraus gefolgert, dass "Lucius Poblicius" kurz vorher, in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts bestattet worden sein muss.

Die Statue des vermeintlichen Poblicius, die heute in den mittleren Intercolumne aufgestellt ist - schien die bisherige Datierung (3) zu stützen, da bei dieser Statue die typisch claudische Frisur erkennbar ist, bei der die Haare oberhalb der linken Nasenwurzel gescheitelt sind.


Wie schon unter der Rubrik: "Zu den Statuen" beschrieben, muss die bisherige Datierung aufgrund neuer Erkenntnisse infrage gestellt werden.


Die zur Begründung bei der bisherigen Datierung aufgeführten Argumente hinsichtlich dem zeitlichen Auftreten der"Cognomina" und der "claudischen Frisur" bleiben bestehen, müssen jedoch in einem anderen Kontext gesehen werden.

Den wichtigsten Hinweis auf  eine frühere Datierung des Poblicius Grabmals geben die Statuen. Dabei kommt der komplettierten Statue des Lucius Poblicius die größte Bedeutung zu, deren unkomplettierter Torso heute am Grabmal in der rechten Intercolumne steht. Warum es sich bei dieser Statue um den wirklichen Lucius Poblicius handelt, dessen Statue in der mittleren Intercolumne stehen müsste, ist in der Rubrik: "Zu den Statuen" im Detail ausgeführt.

Der Kopf, der dieser Statue zuzuordenen ist, zeigt eine Frisur, die in die Zeit des Kaiser Tiberius (14 bis  37 n. Chr.) weist. Die nicht ausgebohrten Augenhöhlen, die man bei Statuen und Reliefs der frühen Kaiserzeit findet, sind ein weiterer wichtiger Hinweis für eine frühere Datierung des Poblicius Grabmals. Von großer Wichtigkeit ist in diesem Zusammenhang auch die Kleiderreform des Augustus, die die stoffarme, republikanische Toga durch eine stoffreiche Toga mit sinus und umbo ersetzt. Diese findet sich bei beiden Männerstatuen des Poblicius Grabmals.

Die bisherige Annahme, dass diese neue Togaform erst mit großer Verspätung - "in der claudischen Zeit" - an Grabbauten in den römischen Rheinprovinzen auftaucht, kann durch das Grabmal von M. Valerius Rufus aus Strassburg-Koenigshoffen widerlegt werden. Die Statuen dieses Grabmals, welches in die Zeit zwischen 17 und 41 n. Chr. datiert wird, zeigen bereits - "in tiberischer Zeit" - diese neue stoffreiche Togaform mit sinus und umbo.     

Somit entfällt eines der Hauptargumente für die bisherige Datierung des Poblicius Grabmals in die claudische Zeit.

Bestehen bleiben aber die Argumente hinsichtlich dem zeitlichen Auftreten des Cognomen bei Lucius Poblicius Modestus und dessen "claudischer Frisur".
                                                __________________________________

Gelöst wird dieser scheinbare Widerspruch durch die Inschrift und die dort erkennbare Reihenfolge der Bestattungen.

- LUCIUS POBLICIUS

Als Erstverstorbener ist dort Lucius Poblicius aufgeführt. Stolz verkündet er in der Inschrift, dass er Mitglied der Legio V Alauda, der berühmten Lerchenlegion Caesars war, deren Vetreanen nach dem Kantabrischen Krieg von Caesar mit Sonderzahlen belohnt wurden. Seine Statue zeigt die stoffreiche Toga mit sinus und umbo, die durch das Grabmal des M. Valerius Rufus in Strassburg und den Tiberispfeiler in Nimwegen schon in tiberischer Zeit belegt ist. Die Frisur des Poblicius deutet ebenfalls in die tiberische Zeit.

Poblicius könnte also schon als junger Legionär an den kantabrischen Kriegen Caesars teilgenommen haben, und kurz danach aus dem Militärdienst ausgeschieden sein. In den Folgejahren muss er es zu großem Reichtum gebracht


 
- PAULLA               - die Tochter des Poblicius

 
Als Zweitverstorbene ist in der Inschrift, Paulla, die Tochter des Poblicius aufgeführt. Wie schon in der Rubrik: "Zu den Statuen" ausgeführt, steht ihr als Familienmitglied am Grabmal der Platz in der linken Frontintercolumnie - direkt neben ihrem Vater - zu.
 
Ob sie bereits vor oder nach ihrem Vater gestorben ist bleibt Spekulation, zumindest ist sie aber vor Lucius Poblicius Modestus gestorben, der als dritter Verstorbener in der Inschrift erwähnt wird.
 
 
-LUCIUS POBLICIUS MODESTUS

 
Seine Statue, die wegen ihrer fast vollständigen Erhaltung heute in der Mittel - Intercolumnie steht, gehört in die rechte Front - Intercolumnie. Lucius Poblicius muss seinen ehemaligen Sklaven sehr geschätzt haben, denn nur so ist zu erklären, dass er als Freigelassener den Namen seines Herren annehmen durfte und ein Platz im Grabmal für ihn reserviert wurde. Die typisch claudishe Frisur und das Auftreten des  Cognomen "Modestus" deuten auf seinen Tod und die Beisetzung in claudischer Zeit hin und bilden damit keinen Widerspruch zur Ursprungsdatierung des Poblicius Grabmals in die tiberische Zeit, sondern sind ein Beleg für die zeitliche Abfolge von Tod und Bestattung.

Flag Counter
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü