Zu Lucius Poblicius - Das Grabmal des Römers Lucius Poblicius

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Zu Lucius Poblicius

Zu Lucius Poblicius

Jeder Besucher des Römisch-Germanischen Museums, der heute vor seinem Grabmal steht, stellt sich die Frage, wer war eigentlich dieser Lucius Poblicius ? Sein Grabmal ist eine Botschaft an die Nachwelt, die über die Inschrift, die Statue des Poblicius und die Reliefs des Grabmals übermittelt werden.

Aus der ersten Zeile der Inschrift wird deutlich, dass er der Familie der Poblicier  - der gens Poblicia - entstammt, die zu römischer Zeit in der "Tribus Teretina" einem Bürgerbezirk zwischen Rom und Neapel - dem heutigen Kampanien - lebte.

In der zweiten Zeile der Inschrift erfahren wir, dass Lucius Poblicius Veteran der fünften Legion "Alauda" war. Es handelt sich dabei um die von Julius Caesar ausgehobene "Lerchen"-Legion, die an Ihren Helmen rot eingefärbte Lerchenflügel trug. Unter Kaiser Augustus wurde diese Legion ins stehende Heer aufgenommen. Stationiert war diese Legion in Spanien, wo sie "Kantrabischen Krieg" teilnahm. Da es noch weitere fünfte Legionen gab ist nicht zu klären, wann und wo die fünfte Legion der Lucius Poblicius angehörte und die als einzige den Beinamen "Alauda" führte, aufgelöst wurde.

Spätestens hier stellt sich die Frage, woher Poblicius die finanziellen Mittel hatte, um sich ein solch monumentales Grabmal leisten zu können. Es ist zwar bekannt, dass römische Legionäre nach ihrem Ausscheiden aus dem Militärdienst entweder mit großzügigen Landzuweisungen in Veteranenkolonien umworben wurden, oder alternativ eine hohe Entlassungsprämie bekamen, aber damit wäre ein solch aufwändiges Grabmal auch in römischer Zeit nicht zu finanzieren gewesen.

Poblicius muss es also nach seiner Militärzeit zu großem Reichtum gebracht haben. Über die Gründe, wie er zu diesem Reichtum gekommen ist, konnte bisher nur spekuliert werden.
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Das lag u.a. daran, dass bei der Rekonstruktion des Grabmals im Römisch-Germanischen Museum die am vollständigsten erhaltene Statue in der Mittel-Intercolumne aufgestellt und als Poblicius angesehen wurde. An dieser Statue und ihrer claudischen Frisur orientierte sich u.a. auch die bisherige Datierung des Grabmals.
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Bei den Reliefs des Grabmals waren es die Architrave mit Waffenfries mit denen Lucius Poblicius auf seine Militärzeit hinzuweisen schien. Die Reliefs der Mänade im Untergeschoss und der Pandarstellungen im Obergeschoss deuten auf den Dionysoskult hin, der einerseits den Kult der Lebensfreude, andererseits aber auch den Totenkult verkörperte.

Zusammengefasst sind dies die bisherigen Erkenntnisse zur Person des Lucius Poblicius, die sich sowohl in meinem Buch "Grabungsfieber" als auch in den Publikationen der Archäologen wiederfinden, die sich mit dem Poblicius Grabmal befasst haben.
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Seit Oktober 2014 wurden in der Zusammenarbeit mit dem Philologen Dr. Hermann Krüssel - beginnend mit der Frage nach der Ergänzung der Inschrift - alle sicher geglaubten Erkenntnisse zum Poblicius Grabmal nochmals hinterfragt und neu bewertet. Die dabei zur Inschrift, zu den Reliefs und zur Datierung gewonnenen Erkenntnisse sind in den einzelnen Rubriken dieser Webseite im Detail aufgeführt. In der Rubrik "Zu den Statuen" ist zudem bereits die Komplettierung der Poblicius Statue durch die Zuordnung von Kopf, Arm- und Fußfragment erwähnt worden.

Weitere neue Erkenntnisse zur Person des Lucius Poblicius sind nachfolgend aufgeführt:

                                                   


Ein Soldat in Zivil - Kleidung


Eine der Kernfragen bei den neueren Forschungen zur Person des Lucius Poblicius war:

warum er einerseits in der Inschrift so deutlich herausstellt, dass er Veteran der berühmten fünften Legion, der Lerchenlegion Caesars war,


sich aber andererseits bei seiner Statue nicht in Soldatenuniform, sondern als römischer Bürger in Tunika und Toga darstellen ließ.


Die logische Folgefrage war, was war Poblicius an dieser bewusst gewählten Darstellungsform  in Tunika und Toga und den Attributen der Statue so wichtig, dass seine militärische Karriere in der berühmten Lerchenlegion zweitrangig in den Hintergrund rückte.


Einen ersten Hinweis lieferte - wie schon in der Rubrik: "Zu den Statuen" beschrieben - das Armfragment mit einer Hand, die keine Schriftrolle, sondern eine Mappa hält.
                                                         




Das Armfragment mit Hand und Mappa

Die "zusammengelegte Mappa" ist ein gefaltetes Stofftuch, welches als Zeichen der Eröffnung von Spielen vom Veranstalter in die Arena geworfen wurde.

Lucius Poblicius zeigt also durch das Attribut der "zusammengelegten Mappa" , dass er Veranstalter und Ausrichter von Zirkusspielen war, bei denen in den Morgenstunden Tierhetzen, in den Mittagsstunden Hinrichtungen und in den Nachmittagsstunden Gladiatorenkämpfe eine große Rolle spielten.


 
Gladiatorenwaffen

Mit vorgenannter Erkenntnis wurden die Architrave des Aedikulageschosses nochmals eingehend betrachtet, denn die dort dargestellten Krummsäbel oder Krumschwerter hatten immer wieder zu Irritationen geführt, da solche Waffen vom römischen Militär nicht genutzt wurden.

Bei einem Vergleich mit den Waffen von Gladiatoren wurde aber deutlich, dass die in den Friesen mehrfach dargestellten Krummsäbel oder Krumschwerter zur Standardausrüstung des Gladiators Thraex ( des Trakers ) gehören.

Poblicius weist also nicht nur durch die Mappa, sondern auch durch die Waffenfriese auf Gladiatorenspiele hin.
 
 
Die Toga Praetexta


Im Laufe der neueren Forschungen wurden wir auch auf einen Bericht des Archäologen Hanns Gabelmann über die toga praetexta im Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Institutes von 1985, Band 100 aufmerksam.


Gabelmann beschreibt darin im Detail die verschiedenen Togaformen und den Wandel in ihrem Aussehen durch eine Kleiderreform des Augustus.

In unserem neuen Buch "Das Poblicius Denkmal - Köln in augusteischer Zeit" zeigen wir auf, wann die stoffarme, republikanische Toga durch eine stoffreiche Toga mit sinus und umbo ersetzt, wurde. Dies hat nicht nur wesentlichen Einfluss auf die Datierung des Grabmals, sondern hilft bei der zeitlichen Zuordnung der kleinen Frauenstatue des Poblicius Grabmals. Bei dieser Statue stellt Gabelmann eine Übergangsform von der unbequemen, altertümlichen toga exigua aus der Zeit der römischen Republik zur frühkaiserzeilichen Toga fest, weil vermeintlich aus der Gewandschlinge ein schlaufenförmiger Umbo herausgezogen ist.



Genauere Untersuchungen ergaben aber, dass diese kleine Frauenstatue eine rein republikanische Toga trägt und zeitlich noch früher zu datieren ist als das Poblicius Grabmal, womit sie nicht zu diesem Grabmal gehören kann.

Die Statue des Lucius Poblicius dürfte nach unseren neuen Erkenntnissen noch zu Lebzeiten des Augustus entstanden sein, oder ganz kurz danach. Die Endform der Kleiderreform des Augustus bildet die neue stoffreiche Togaform mit sinus und umbo. Diese findet sich bei den beiden Männerstatuen des Poblicius Grabmals. Gabelmann behauptet, dass diese neue Togaform erst mit großer Verspätung an Grabbauten in den römischen Rheinprovinzen auftaucht und begründet damit das Festhalten an der Datierung des Poblicius Grabmals in die claudische Zeit.

Wie aber das Grabmal von M. Valerius Rufus aus Strassburg-Koenigshoffen zeigt, welches in die Zeit zwischen 17 und 41 n. Chr. datiert wird und auch der Tiberiuspfeiler in Nimwegen zeigt, taucht die neue stoffreiche Togaform mit sinus und umbo schon sehr viel früher in den Rheinprovinzen auf.

Zur toga praetexta enthält der Gabelmann Bericht zahlreiche Bilddarstellungen, die Gabelmann - obwohl keinerlei Farbspuren an den antiken Originalen mehr erkennbar waren -  als Beispiele für die toga praetexta - schwerpunkt-mäßig bei Kindern - anführt. Gabelmann beschreibt ausführlich, wo der einst purpurne Clavus, ein ca. 7 bis 8 cm breiter Purpur-Streifen an der Toga verlief und das der ursprünglich nur dem Imperator zustehende Purpur, später auch von hohen Beamten , wie Ädilen, getragen werden durfte.

Bei einem Vergleich der zahlreichen Bild-Darstellungen, die Gabelmann als Beispiel für die toga praetexta anführt und den beiden Männerstatuen des Poblicius Grabmals fiel folgendes auf:

Der Torso des Poblicius zeigt bei detaillierter Betrachtung von Gewandfaltung und Armhaltung zwei Besonderheiten.

Auf alten, aber hochauflösenden Fotos des Torso ist unterhalb der Hand des Poblicius eine Gewandfalte erkennbar, die im Gegensatz zu den anderen Gewandfalten nicht gemeißelt oder geschnitten, sondern durch Bohren extrem tief ausgearbeitet ist. Diese extrem tiefe Gewandfalte, auf deren Grund man die nebeneinander angesetzten Bohrerspuren erkennt, bildet eine deutliche Abgrenzung in den Falten der Toga, die von der rechten Schulter in den Umbo verlaufen.

Betrachtet man diese Falten genauer, so fällt auf, dass  Poblicius mit der linken Hand mehrere Falten umfasst, die gegenüber den anderen in einem ca. 7 bis 8 cm breiten Streifen von der Schulter bis zur Hand erhaben hervortreten.

Unterhalb der Hand führen die Falten dieses 7 bis 8 cm breiten Streifen, wie auch alle neben der Hand verlaufenden Falten in den Umbo. Hier ist der 7 bis 8 cm breite Streifen nicht mehr erhaben, jedoch deutlich abgesetzt durch die extrem tief gebohrte Gewandfalte.

Doch damit nicht genug. Auch von der rechten Schulter zieht sich ein ca. 7 -8 cm breiter Gewandstreifen bis über den Arm, ist aber dann weiter - wegen der weggebrochenen Falten - nur noch als erhabener Steg bis in Kniehöhe zu verfolgen.

Obwohl an dem Torso keine Farbspuren mehr nachweisbar waren, lassen die beschriebenen Details nur einen einzigen Schluss zu.

Lucius Poblicius trägt die Toga Praetexta, eine Toga, die an ihren Rändern einen 7 bis 8 cm breiten Purpurstreifen, den Calvus, aufweist und ihren Träger nicht nur als Inhaber des römischen Bürgerrechtes, sondern auch als Mitglied der höheren Magistrate ausweist, denn die Toga Praetexta durfte nur von kurulischen Ädilen, Prätoren, Konsuln, Zensoren und von Mitgliedern der Priesterkollegien getragen werden.

Betrachtet man den Torso mit den gewonnenen Erkenntnissen, so wird deutlich, dass Poblicius den Calvus, den Purpurstreifen der Toga Praetexta regelrecht "vorzeigt".
 

Indem er ihn mit der Hand umfasst, präsentiert er der Nachwelt seine hohe soziale Stellung und mit der Mappa und den vier Ringen an seiner rechten Hand seinen Reichtum, denn die Veranstaltung von Zirkusspielen war nur wohl-habenden Personen möglich, denen jeder Anlass willkommen war, sich auf diese Weise die Achtung des Volkes zu verschaffen.

Natürlich wurde auch die Statue des Poblicius Modestus nochmals genau untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass auch an dieser Statue ein 7-8 cm breiter Gewandstreifen zu erkennen ist, der von der linken Schulter  in den Umbo führt und im Sinus weiterführt zur rechten Hand und von dort aus, als Rand zur rechten Schulter aufsteigt. Der Freigelassene des Poblicius war also nicht nur gebildet, sondern muss es, als Träger der Toga Prätexta ebenfalls geschafft haben, in ein hohes Amt aufzusteigen.





Aber woher hatte Poblicius seinen Reichtum ?

Dazu gibt seine Statue keine Hinweise.

Folglich müssen die Hinweise auf den Ursprung seines Reichtums in den Reliefs des Grabmals zu finden sein. Die aufwändigen Reliefs, die Dionysos bzw. seinen Kult in den Mittelpunkt rücken, sind der Schlüssel:  

Wein
 
Poblicius kam aus Kampanien, berühmt für seinen Wein. Poblicius war als Soldat in Spanien, auch dort lernte er berühmte Weine der Antike kennen.

Die Rheingegend war zur Zeit Caesars, also Mitte des 1. Jhd. v.Chr. noch nicht romanisiert, der Weinanbau noch nicht bekannt. Der Wein für die römischen Legionen wurde bis zum Anfang des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts in die Provinzen eingeführt, denn erst zu dieser Zeit begann der Weinanbau z.B. an der Mosel.

Um 20/19 v.Chr. wurde in augusteischer Zeit das oppidum Ubiorum gegründet, zwei Jahre später wurde Trier 18/17 v.Chr. als Augusta Treverorum dank eines Privilegs des Augustus zur Stadt erhoben .

Lucius Poblicius dürfte im oppidum Ubiorum der Römer gewesen sein, der den Wein nach Köln brachte.

Die Ubier werden Poblicius kaum reich getrunken haben.

Doch es gab, so ist es vom Jahre 14 n.Chr. von Tacitus überliefert, beim oppidum Ubiorum zwei stationierte Legionen, die 1. und 20. Legion, sowie Veteranen, die vor kurzem in die Reserve entlassen worden waren. Während des Sommerlagers ruhten sie im Jahre 14 n.Chr. aus oder hatten nur leichten Dienst. Sie zu versorgen, muss eine Goldquelle gewesen sein.

Wer zu den Pionieren des Weinhandels gehörte, vielleicht gar der erste Weinhändler war, durfte mit einem großen Reichtum rechnen.
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Mit dem Wein kam der Dionysoskult.

Dionysos oder auch Bacchus, der Gott des Weines verkörperte einerseits die Lebensfreude, andererseits aber auch die Vergänglichkeit. Ob Poblicius diesen Kult, der mit dem Ablauf der Jahreszeiten bzw. der Vegetation z.B. des Weines ursprünglich etwas zu tun hatte, dann aber auch ein Kult in der Hoffnung auf ein Weiterleben war, von Anfang an pflegte oder ihn nach dem Tod seiner Tochter für das gemeinsame Grabmal wählte, wissen wir nicht.

Poblicius kannte aus seiner Heimat, die zu Großgriechenland (Magna Graecia) gehörte, den griechischen Dionysoskult; er brachte ihn mit und dürfte ihn im kulturoffenen Köln, d.h. im oppidum Ubiorum, eingeführt haben.

Zu vermuten ist auch, dass Poblicius der Vorsitzende eines Dionysosvereins im oppidum Ubiorum war. Die Patrone eines Dionysosvereins waren extrem reich, wie zahlreiche Beispiele in der klassischen Literatur zeigen. Ein solches Patronat würde auch erklären, warum er ein ganzes Programm des Dionysoskultes auf seinem Grabmal darstellen ließ.

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Zusammenfassung

Wein und Spiele – dafür Poblicius dürfte eine der ersten Adressen im oppidum Ubiorum gewesen sein. Der Weinhandel begründete seinen Reichtum und machte ihn in der frührömischen Zeit Kölns wahrscheinlich zu einem Wohltäter der Stadt, einem euergetes.

Sein Reichtum ermöglichte ihm die Finanzierung von Aufgaben vor allem im kultischen Bereich mit regelmäßigen Opfern, Spielen, Festmahlzeiten und der Erhaltung von Heiligtümern.

Damit hat er wahrscheinlich einen wesentlichen Beitrag zu einer Romanisierung des oppidum Ubiorum geleistet und ihm – man denke an Wein, Spiele, Religion und evtl. auch Bildung - einen römischen Lebensstandard gegeben.

Vielleicht ist Lucius Poblicius sogar der Römer, der am Ort des späteren Köln für den zivilisatorischen-kulturellen Urknall gesorgt hat. Weitere Details finden sie in unserem neuen Buch "Das Poblicius-Denkmal - Köln in augusteischer Zeit".                                         
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