Zu den Statuen - Das Grabmal des Römers Lucius Poblicius

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Zu den Statuen

Im Grabungsareal am Chlodwigplatz wurden vier Statuen bzw. deren Reste gefunden. Dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu der Frage geführt, mit welcher Statue, welche Person dargestellt ist und wo sie am Grabmal platziert war.

Da die Frontseite der Aedikula nur drei Intercolumnen für die Aufstellung von Statuen aufweist, wurde auch die Frage gestellt, ob alle vier Statuen zum Poblicius Grabmal gehören.

Schon bei den ersten Quaderfunden im Jahr 1884 wurde festgestellt, dass direkt neben dem Poblicius Grabmal in römischer Zeit zumindest ein weiteres Grabmal gestanden haben muss. Der Archäologe Joseph Klinkenberg ( 7 ) weist 1902 und 1906 darauf hin, dass die 1884 am Chlodwigplatz gefundenen Quader zwei bzw. drei verschiedenen Grabbauten zuzuordnen sind.

Die Archäologin Nora Andrikopoulou-Strack hält in Ihrem Buch über die „Grabbauten des 1. Jahrhunderts nach Christus im Rheingebiet“ ( 8 ) die Zuordnung von zwei Konsolgesimsblöcken für problematisch, obwohl diese zu insgesamt zehn Gesimsstücken gehören, die in unserem Fundareal geborgen wurden. ( Nr. 14 und 21 der Precht Rekonstruktion von 1974; Nr. 14 und 21 auch in der Gens Funddokumentation von 1968 )

Wenn diese beiden Gesimsstücke, wie Frau Andrikopoulou-Strack vermutet, aufgrund ihrer Unterschiede in der Ausführung nicht zum Poblicius gehören, dann muss direkt neben dem Poblicius Grabmal ein zweites Grabmal gestanden haben.

Dieses Grabmal muss dann aus der gleichen Werkhütte wie das Poblicius Grabmal stammen und beide Grabbauten müssen zeitgleich eingestürzt sein, denn nur so ist eine Vermischung der Quader beider Grabbauten in ihrer Fundlage zu erklären.

Der eindeutige Beweis für das Vorhandensein eines zweiten Grabmals wurde von mir während meiner Forschungsarbeiten zwischen 2009 und 2012 gefunden und wird in meinem Buch „Grabungsfieber“ auf den Seiten 231 bis 233 detailliert beschrieben.

Es handelt sich um den Quader ( Precht Nr.126 ) aus dem gleichen Fundareal, den Precht unberücksichtigt ließ, weil er ihn in der Rekonstruktion des Poblicius Grabmals nicht unterbringen konnte. Dieser Quader gehört unzweifelhaft zur Aedikula eines zweiten Grabmals, welches in unmittelbarer Nähe zum Poblicius Grabmal gestanden haben muss.

 
Beide Grabmäler müssen also wirklich zeitgleich eingestürzt sein, denn nur so ist eine Vermischung ihrer Bauquader in der Fundlage zu erklären. Damit stellt sich aber auch die Frage, welche der am Poblicius Grabmal verbauten Quader wirklich zum Poblicius Grabmal gehören und welche zum Nachbarbau. Den Statuen kommt bei dieser Fragestellung eine besondere Bedeutung zu.

- Welche Statue stellt welche Person dar?


- Wo waren sie am Grabmal platziert ?

- Gehören alle vier Statuen zum Poblicius Grabmal ?

- Was gibt es Neues zu den Statuen

LUCIUS POBLICIUS, Auftraggeber und Eigentümer des Grabmals - Zentralfigur in der Inschrift - dürfte auch die zentrale Position des Obergeschosses hinter den beiden Mittelsäulen eingenommen haben.


Doch welche der beiden heute am Grabmal aufgestellten männlichen Statuen ist Lucius Poblicius?

Ist es die heute am Grabmal in der Mitte stehende, weitestgehend komplett erhaltene Statue, oder ist es der Torso, der heute in der rechten Intercolumne aufgestellt ist ?



Es gibt mehrere Gründe und Fundstücke, die darauf hindeuten, dass der Torso, der heute in der rechten Intercolumne aufgestellt ist, komplettiert werden kann und Lucius Poblicius darstellt.

Oberkörper und Sockelfragment



Der Oberkörper des - vom Halsansatz bis zu den Oberschenkeln erhaltenen - Torsos ist im Vergleich zur heute in der Mittel-Intercolumne stehenden Männerstatue breiter.

Breiter ist auch ein aus drei Bruchstücken bestehendes Sockelfragment mit Füßen und Scrinium, welches schon 1884 im Grabungsareal am Chlodwigplatz gefunden wurde und mit großer Wahrscheinlichkeit zum Poblicius Grabmal gehört. Diese Vermutung wurde auch schon von Precht 1974 geäußert, ohne jedoch dieses Sockelfragment in die Rekonstruktion des Grabmals zu integrieren. Bei meiner visuellen Quadersuche im Depot des Römisch-Germanischen Museums 2009 wurde u.a. dieses Sockelfragment von mir in Regal Nr. 31, Fach D wiederentdeckt, fotografiert und vermessen. Die Zugehörigkeit zum Poblicius Grabmal steht außer Zweifel und man kann nur hoffen, dass es restauratorisch zusammengefügt bald am Platz am Grabmal seinen Platz findet.


Der Kopf des Poblicius


Bei meiner Suche nach weiteren bereits 1884 gefundenen Quadern des Poblicius Grabmals in den Zugangs- und Steininventarbüchern des Römisch-Germanischen Museums stieß ich u. a. auch auf den Kopf mit der Nr. 649, der - wie sich dann herausstellte im Jahr 1971 zusammen mit dem Kopf des Poblicius Modestus aus dem Depot des RGM gestohlen worden war. Der Dieb wurde gefasst und beide Köpfe kamen ins RGM zurück. Heute ist der Kopf Nr. 649 in der Ausstellung im Obergeschoss des RGM auf der "Agrippina Insel" zu finden.

Dort habe ich ihn von allen Seiten fotografiert und vermessen. Neben der maßlichen Übereinstimmung zeigt die Fotomontage in der Frontansicht einen deutlichen und absolut passenden Übergang der - von vorne gesehen - linken Halsmuskulatur vom Kopf auf den Torso. Auch die seitlichen Maßvergleiche und Fotomontagen sprechen für eine Zugehörigkeit des Kopfes zum Torso.

Letzte Sicherheit könnte ein Foto von der Rückseite des Torsos bringen, um es mit dem Foto der Kopfrückseite abzugleichen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn das das Römisch-Germanische Museum sehr bald - doch noch - die Erstellung eines solchen Fotos erlaubt. Aber auch ohne dieses Foto kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Kopf Nr. 649,  der des Poblicius ist.

Der Kopf des Poblicius zeigt eine Frisur, die in die Zeit des Kaiser Tiberius ( 14 bis  37 n. Chr. ) weist und gibt damit Anlass, die Frage nach der Datierung bzw. Entstehungszeit des Poblicius Grabmals neu zu stellen. ( siehe Rubrik: Zur Datierung )



Das Armfragment mit Hand und Mappa


Bei der detaillierten Sichtung des Steininventarbuches 1;  laufende Nummern MWR    ( Museum Wallraf Richartz ) 1 bis 400   fiel u.a. das Armfragment mit der Nr. 216 auf.

Laut  einem Verzeichnis der römischen Altertümer des Wallraf-Richartz Museums aus dem Jahre 1885 von Prof. Dr. H. Düntzer wurde dieses Armfragment zusammen mit Nr. 28a neben dem Chlodwigplatz, nordwestlich des Bauplatz 41, im Jahr 1884 gefunden und wird unter Nr. 104b wie folgt beschrieben: Stück einer Relieffigur; Jurakalk, eine Hand, die das Gewand fasst.





Eine genauere Beschreibung liefert das Stein-Inventarbuch 1 des RGM: Bruchstück einer Statue, Jurakalk, lebensgroße linke Hand eines Togatus mit großen, flachen Ringen an vier Fingern, eine zusammengelegte Mappa haltend. Daran noch ein Stück vom Gewande.


Auch Precht erwähnt dieses Armfragment, ohne es jedoch weiter zu beschreiben oder zu beachten.

Meine diesbezüglichen Nachforschungen ergaben, dass dieses Armfragment wahrscheinlich in den Kriegswirren verloren gegangen ist und leider ist bis heute keine Abbildung oder ein Foto davon aufzufinden.

Da das Armfragment aus dem Fundareal des Poblicius Grabmals stammt und da dem männlichen Torso in der rechten Intercolumne der linke Arm und die linke Hand fehlt, gehört auch dieses Fragment mit größter Wahrscheinlichkeit zur Poblicius Statue.


Diesem Armfragment kommt höchste Bedeutung zu !! Mit vier Ringen an der linken Hand trägt die Poblicius-Statue, dann einen Ring mehr, als die Modestus-Statue, die heute in der mittleren Intercolumnie steht.

Viel wichtiger aber ist, dass die Hand an diesem Armfragment eine zusammengelegte Mappa hält. Die Mappa darf nicht verwechselt werden mit einer Schriftrolle, wie sie bei der Modestus Statue eindeutig erkennbar ist.

Die - laut Text des Inventarbuches - "zusammengelegte Mappa" ist ein gefaltetes Stofftuch, welches als Zeichen der Eröffnung von Spielen vom Veranstalter in die Arena geworfen wurde.

Zeigt sich also hier der Römer Lucius Poblicius als der Veranstalter und Ausrichter von Zirkusspielen ?

Alle neuen Erkenntnisse zur Person Lucius Poblicius finden Sie in der Rubrik: "Zu Lucius Poblicius"

LUCIUS POBLICIUS MODESTUS


Die weitestgehend komplett erhaltene Männerstatue, die heute hinter der mittleren Intercolumne steht, gehört folglich in die rechte Intercolumnie, und stellt Lucius Poblicius Modestus dar.

 
Wie wir aus der Detailbetrachtung und Ergänzung der Inschrift wissen, handelt es um einen Freigelassenen des Lucius Poblicius, der üblicherweise den Namen seines Herren übernahm, welcher in diesem Fall durch den Beinamen ( das Cognomen )  "Modestus" ergänzt wurde.

 
Auch zu Füssen des Modestus finden wir einen Schriftrollenbehälter. In seiner linken Hand erkennen wir zusätzlich eine Schriftrolle.  Ob es sich dabei um ein Testament, ein Diplom oder seine Freilassungssurkunde handelt bleibt Spekulation.

 
Der Kopf des Poblicius Modestus zeigt eine Frisur, die in die Zeit des Kaiser Claudius   ( 41 bis  54 n. Chr. ) weist. Aufgrund der Annahme, dass es sich bei dieser Statue um Lucius Poblicius handelt, aufgrund der claudischen Frisur und aufgrund des in der Inschrift auftauchenden Cognomen für Poblicius Modestus wurde das Poblicius Grabmals bisher in die Mitte des 1. Jahrhunderts datiert.

 
Diese Datierung muss heute korrigiert werden ( siehe Rubrik: Zur Datierung )

Die Kleine Frauenstatue


Die kleine Frauenstatue, deren Kopf 1967 ausgegraben wurde und deren Leib bereits 1884 am Chlodwigplatz gefunden worden war, trägt eine Toga in der unbequemen altertümlichen Form der toga exigua aus der Zeit der römischen Republik, mit dem rechten Arm in einer Gewandschlinge.



Der Archäologe Hanns Gabelmann glaubte bezogen auf die Toga dieser Statue eine Übergangsform von der republikanischen zur frühkaiserzeitlichen Toga festzustellen, weil er in der schlaufenförmigen Gewandfaltung unter der Hand einen Umbo sah. Ein Umbo ist aber nur dann vorhanden, wenn er aus einer Querschärpe ( Balteus ) herausgezogen wird. Im Vergleich mit rein republikanischen Togen wird deutlich, dass diese Statue eine rein republikanische Toga trägt.

Obwohl keine Farbreste an dieser Statue gefunden wurden, glaubt Hanns Gabelmann, dass die Statue mit der linken Hand den purpurnen Clavus der toga praetexta hält. Dies würde - so folgert Gabelmann - auf ihr kindliches Alter schließen lassen und sie als Tochter des Poblicius ausweisen.

Einige Facharchäologen sehen folglich in der großen Frauenstatue , die in der Inschrift "nicht erwähnte Ehefrau" des Poblicius. Die kleine Frauenstatue wurde aufgrund dieser Annahme - bei der Rekonstruktion des Grabmals im Römisch-Germanischen Museum - als Tochter in der Intercolumnie der rechten Seitenwand aufgestellt.





Bei dieser Vorgehensweise wurde jedoch mehrere Aspekte nicht berücksichtigt.

a. Die Ausführung der kleinen Frauenstatue

Die abgeflachte Rückseite und die nur unvollständig bearbeiteten Seiten der Statue zeigen, dass sie keinesfalls  - wie heute zu sehen - frei zwischen zwei Säulen gestanden haben kann, sondern in einer Wandnische gestanden haben muss.

b.  Der geneigte Kopf der kleinen Frauenstatue

Der um 45 Grad nach vorne geneigte Kopf, mit dem sie nach unten schaut, zeigt, dass diese Statue viel höher an einem Grabmal gestanden haben muss, als z.B. Modestus, dessen Kopf waagerecht nach vorne, auf die Betrachter des Grabmals gerichtet ist.

c. Die Rangfolge zwischen Familieangehörigen und freigelassenem Sklaven

Vollkommen unberücksichtigt blieb auch, dass sowohl "die Größe der Statuen" als auch "ihr Platz am Grabmal" eine Rangfolge ausdrücken.

Logisch ist, dass ein Kind kleiner dargestellt wird, als ein Erwachsener. Da das Sterbealter der Tochter Paulla aber nicht bekannt ist, kann sie auch als erwachsene, junge Frau gestorben sein.

Allein aufgrund der Größe der beiden Frauenstatuen ist also nicht zu entscheiden, welche von beiden die Tochter Paulla darstellt.

Unlogisch ist aber, die vermeintliche Statue der Tochter des Poblicius in einer rangniederen Seiten-Intercolumnie zu platzieren, während die Statue des Modestus, der ein freigelassener Sklave war, in der ranghohen rechten Front-Intercolumnie Aufstellung findet.

Die Statue der Tochter Paulla ist also - höher- oder gleichgestellt mit Modestus - in einer Front-Intercolumnie zu suchen. Dafür spricht auch die Reihenfolge der Namensnennungen in der Inschrift. Als Zweit-Verstorbene und nächste Verwandte des Poblicius fand Ihre Statue sicherlich in der rechten Front-Intercolumnie, neben ihrem Vater Platz.

Auf Basis vorgenannter Argumente bestätigt sich die Annahme, dass die kleine Frauenstatue möglicherweise zu dem Grabmal gehört, welches direkt neben dem Poblicius Grabmal gestanden hat.

Der Torso der großen Frauenstatue, ist damit aber mit größter Wahrscheinlichkeit der, der Poblicius Tochter Paulla .

Die Große Frauenstatue


Von dieser lebensgroßen Statue, die in der linken Intercolumnie der Grabmalfront aufgestellt ist, ist nur der untere Teil bis zur Hüfte vorhanden. Die Statue zeigt den Typus der sogenannten „Großen Herculanenserin“ ( 6 )



Sie trägt die Stola, ein langes, bis zu den Zehen gehendes Gewand, das oft unten einen Saum aus Pelz oder Leder hatte. Das Tragen der Stola stand allein einer freien römischen Frau zu, die das römische Bürgerrecht besaß. Dies dürfte bei der Tochter des Poblicius zutreffen

Über der Stola trägt die Frauenstatue die Palla, ein viereckiges Gewand, das letztlich über den linken Arm reicht und die nur die linke Hand freilässt, während der rechte Arm völlig frei bleibt. An der linken Hand erkennt man einen Ring am Zeigefinger und einen Ring am Ringfinger. Zu erahnen ist ein weiterer Ring am kleinen Finger.





Die abgeflachte Rückseite und die nur unvollständig bearbeiteten Seiten auch dieser Statue zeigen, dass sie keinesfalls frei zwischen zwei Säulen gestanden haben kann, sondern ebenfalls in einer Wandnische gestanden haben muss.

- Wo ist die Frau des Lucius Poblicius ?


Folgen wir einmal - entgegen den vorbeschrieben Ausführungen - der Auffassung von Herrn Precht ( 9 ), dass die große Frauenstatue, die Frau des Poblicius darstellt, so ergeben sich folgende Fragen:

1. Warum ist die Frau des Poblicius in der Inschrift nicht erwähnt?

2. Wurde sie vom Steinmetz vergessen ?

Für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass der Steinmetz im oberen Teil der Inschrift eine Zeile mit ihrem Namen vergessen hätte, wäre unter der letzten Inschriftzeile immer noch ausreichend Platz für eine weitere Schriftzeile vorhanden, in der ihr Namen auftauchen könnte.

Da dies nicht der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass sie bewusst nicht in der Inschrift erwähnt wurde und dass auch ihre Statue nicht am Grabmal erscheint.

Über den Grund, warum die Frau des Poblicius nicht in der Inschrift erwähnt wird, kann derzeit nur spekuliert werden.

Unterstellt man, dass seine Frau vorverstorben ist, dann bestände die Möglichkeit, dass Poblicius seiner Frau ein eigenes Grabmal in der Nähe oder direkt neben seinem Grabmal errichten ließ.

Poblicius verfügte, wie sein pompöses Grabmal zeigt, über ein beachtliches Vermögen. Die Finanzierung eines weiteren Grabbaus dürfte deshalb für Poblicius kein Problem dargestellt haben und zwei Grabbauten der gleichen Familie übermittelten der Nachwelt noch deutlicher den Ruhm und die Finanzkraft seiner Familie.

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